Die Presse, 16.3.2010

Ildiko Raimondi – “Weit flog ich. Lieder”

Gustav Mahlers Leben wird derzeit in einer Wiener Ausstellung thematisiert. Mahlers Musik bildet auch den Ursprung der Wiener musikalischen Moderne, was eine faszinierend programmierte CD mit Ildiko Raimondi und der Jungen Philharmonie Wien unter Michael Lessky beweist. Ausgehend von drei Wunderhorn-Liedern Mahlers, die Raimondi mit schwebend schönem Sopran gestaltet, lernen wir ein Fragment Arnold Schönbergs auf ein Gedicht von Richard Dehmel kennen.

Ein Schwesterstück zur „Verklärten Nacht“, das Fragment blieb und Schönberg auf halbem Weg zwischen Spätromantik und jener Avantgarde zeigt, die er an seine Schüler vermittelte. Anton Webern ist mit den Liedern op. 12 vertreten. Nach Luigi Nonos Flöten-„Konzert“ aus dem Lorca-Epitaph (Solo: Evelyn Pena Comas), schließt die CD den Kreis mit einer Rückkehr in romantische Gefilde: Schönbergs Kammerochester-fassung des „Lieds der Waldtaube“ aus den „Gurre-Liedern“.

Wilhelm Sinkovicz