Kleine Zeitung, 12.8.2011

Ein herrliches Ständchen

lldikó Raimondi, Peter Matic und Eduard Kutrowatz ließen Lieder von Franz Liszt und dessen Zeitgenossen in schlichter Schönheit erklingen.

Vermächtnis eines genialen Musikers” nannte sich das herrliche “Ständchen” zum 200. Geburtstag von Franz Liszt. Beim Carinthischen Sommer skizzierte man Umrisse einer facettenreichen Persönlichkeit im Spiegel seiner Lieder und Zeitgenossen in Schönheit und Würde, ohne einer “Lisztomania” zu verfallen, wie sie dereinst Heinrich Heine diagnostizierte.

Mit der aus Rumänien stammenden österreichischen Kammersängerin Ildikó Raimondi, gefeierter Sopran auf den größten Opernbühnen und Mitglied der Wiener Staatsoper, war eine Interpretin am Werk, die mit viel Empathie und hervorragendem Können, Liszts Musik präzise positionierte. Beginnend mit Liedern nach Gedichten von Goethe wurde der Kosmos der kleinen Form gewandt ausgeleuchtet. Das warme, lyrische Timbre blitzte vor Agilität, berührte durch Farbenreichtum wie klarster Diktion. Der große Operngestus zu kleinen Andeutungen zurückgenommen, zeigte Wirkung beim Darstellen von Gefühlen, beim Schildern von Stimmungen, vor allem aber beim Erzählen. Jedes Lied wurde so zum Minidrama.

Die reichen expressiven und emotionalen Couleurs der Klavierbegleitung brachte dazu perfekt Eduard Kutrowatz, vielseitiger Musiker, Pianist und Intendant des Liszt-Festivals im burgenländischen Raiding, bei.

Urteile von Zeitgenossen über Liszt trug mit seiner charakteristischen Stimme Kammerschauspieler Peter Mati vor. In der Gegenüberstellung von Liedern von Franz Schubert, Sigismund Thalberg, Robert Franz und Hugo Wolf, maß sich die Güte der Werke Liszts. Großer Applaus in der Stiftskirche Ossiach.